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Was ich von Ansgar Oberholz gelernt habe

Im Rahmen der Founders Factory besuchte ich an einem grauen Mittwochmorgen das St. Oberholz am Rosenthaler Platz. Mitgründer und Namensgeber des ersten Coworking-Spaces Berlins, Ansgar Oberholz, empfing unsere Gruppe und gab einen Vortrag mit anschließender Diskussion. Ansgar ist in der Berliner Startup-Szene eine feste Größe, er hält regelmäßig Vorträge und berät Unternehmen zum Thema New Work.

Ansgar Oberholz hält einen Vortrag im St. Oberholz

In seinem Vortrag hat Ansgar einige Thesen formuliert, die mich zum Nachdenken gebracht haben und die ich gerne teilen möchte.

Potenzial von Machine Learning

Ziemlich klare Ansage, Ansgar glaube fest daran, dass AI in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle spielen wird: “In Zukunft werden wir den Computern nur noch helfen, selbst zu lernen.” Ob es ganz so krass wird, werden die kommenden Jahre zeigen. Klar ist auf jeden Fall, dass lernende Maschinen noch ein gewaltiges Innovationspotential bergen.

Recruiting nach Mindset

“Wir rekrutieren Leute nicht nach dem Lebenslauf, sondern nach dem Mindset.” Statt auf Praktika bei großen Unternehmen zu schauen, beschreibt Ansgar den Prozess, mit dem im St. Oberholz eingestellt wird. Erst nachdem einE BewerberIn mit dem ganzen Team gebruncht hat und als charakterlich passend bewertet wurde, kommt es zum eigentlichen Bewerbungsgespräch. Ob dieses Paradigma für Unternehmen jeder Größe anwendbar ist, ist eine spannende Frage. Gerade richtig große Läden haben zunehmend Probleme, BewerberInnen auf einer persönlichen Ebene anzusprechen. Die Automatisierung im Recruiting scheint auch eher ein Trend in die entgegengesetzte Richtung zu sein, wenn maschinengeneriert tausende KandidatInnen angeschrieben werden, geht der persönliche Kontakt gegen null.

Größe von Unternehmen eher problematisch

Startups sind lean und schnell, Konzerne aufgebläht und langsam - Ansgar bezweifelt, dass “too big to fail” in Zukunft noch häufig gehört wird. Stattdessen attestiert er großen Unternehmen einen Neid auf die kleinen Flinken, die Ideen schnell umsetzen und Prozesse mal eben neu aufsetzen könnnen. GründerInnen rät er dazu, die Nähe zu den Großen zu suchen: “Goliath liebt David.”

Folgen der Digitalen Revolution

In der Automatisierung von Aufgaben durch Computer sieht Ansgar Fluch und Segen: “Computer können Kriegsdrohnen steuern, aber auch die Menschen von hirnloser Arbeit befreien.” Er schätzt, dass in den kommenden Jahren etwa drei Millionen Jobs automatisiert werden - vermutet aber, dass ebensoviele neu entstehen. Eine große Aufgabe sieht er bei der Politik, die dafür Sorge tragen soll, dass schlecht ausgebildete Menschen nicht abgehängt werden: “Wenn die Leute in großen Betrieben bereit sind, sich zu verändern, dann mache ich mir keine Sorgen um die. Ich frage mich, was mit denen geschieht, die heute schon abgehängt sind.”

Mit wem gründen?

Zum Schluss noch ein praktischer Tipp für alle GründerInnen zur Struktur des Gründungsteams: Ansgar würde von Anfang an aus dem Bekanntenkreis rekrutieren - aber “bloß keine Freunde und Familie. Du schleppst unter Umständen private Konflikte ins Unternehmen, die da nicht reingehören.” Wer auf eine allgemeingültige Rektrutierungsstrategie gehofft hat, wird aber enttäuscht: “Mit wem du gründest, ist letztlich eine persönliche Entscheidung. Es gibt auch erfolgreiche Familienunternehmen.”