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Wie ich meine morgendliche Bildschirmzeit reduziert habe

Smartphones sind cool. Taschencomputer, mit denen man Fotos aufnehmen und telefonieren kann und die einem den Weg zur nächsten U-Bahn-Haltestelle zeigen. Seitdem das erste iPhone 2007 auf den Markt kam, haben die schlauen Telefone die Welt verändert. Der Triumphzug war so enorm, dass die Technologie Apple zum ersten Billion-Dollar-Unternehmen der Welt gemacht hat. In unglaublichen 12 Jahren wurden die westlichen Märkte gesättigt, praktisch jedeR hat heute ein Smartphone.

Waiting for the train by Per Gosche. CC-BY-2.0

Blöd nur, dass mein Gehirn da nicht so wirklich hinterhergekommen ist. Ich erwische mich immer wieder dabei, unbewusst in die Taschen zu greifen und am Bildschirm zu hängen. Die Betonung liegt hier auf unbewusst: Es ist nicht ungewöhnlich, dass ich mein Smartphone wegstecke, nur, um es wenige Sekunden später wieder aus der Tasche zu ziehen. Schlimmer noch, ich habe es mir über die Jahre angewöhnt, nach dem Aufstehen im Bett liegen zu bleiben und Nachrichten zu lesen.

Im November 2018 hatte ich dann die Schnauze voll. Nachdem mal wieder 20 Minuten fehlten, um gemütlich in die Uni zu fahren, kam ich gehetzt und entnervt in der Vorlesung an. Meine Entscheidung, das Smartphone aus dem Bett zu verbannen, fällte ich noch am selben morgen. Heute, zwei Monate nachdem ich den Entschluss fasste, ist mir das auch weitestgehend gelungen. Ich will hier kurz teilen, wie ich das angestellt habe und dabei ein bisschen mit den Daten arbeiten, die im Prozess angefallen sind.

Zielverfolgung

Um meine Pläne in die Tat umzusetzen, habe ich auf Beeminder zurückgegriffen. Kurz zusammengefasst macht Beeminder einem Feuer unter dem Hintern, wo normal keines ist. Man legt sich ein Ziel fest und trägt auf Beeminder die Fortschritte ein. Falls man das mal vergisst oder vom Ziel abkommt, fängt Beeminder an zu nerven.

Der Beeminder Graph

Und zwar so richtig. Die App blinkt, es gibt eine Pushnachricht aufs Smartphone. Dazu bekommt man vom Beeminder-Bot laufend Mails geschickt. Um die Sache weiter zu pfeffern, kann man bei Beeminder Geld einsetzen. Man wettet gegen sich selbst, dass man seiner Absicht nachkommt. Wenn man das nicht schafft, ist die Kohle weg. Ein geiles Geschäftsmodell!

Rahmenbedingungen verbessern

Nachdem Beeminder aufgesetzt war, habe ich mir Gedanken gemacht, wie ich die Gewohnheit loswerden kann, morgens zum Smartphone zu greifen. Mir wurde klar, dass ich

  1. die Ladestation von meinem Nachttisch auf meinen Schreibtisch verbannen und
  2. mir einen ordentlichen Wecker kaufen muss. Bis dato war mein iPhone mein Wecker, was dazu führte, dass ich morgens automatisch das Smartphone in der Hand hielt.

Statt eines herkömmlichen Weckers habe ich mir dann ein google home mini bestellt. Und tatsächlich: Als Wecker kann ich das Teil uneingeschränkt empfehlen. Kein Bildschirm, mit dem man sich ablenken kann, nur eine blecherne Stimme, die Fragen beantwortet.

Plotten der Daten als Heatmap

Ein cooles Feature von Beeminder ist, dass die gesammelten Daten zur eigenen Auswertung zur Verfügung stehen. Zur besseren Analyse meines Fortschritts habe ich die Daten in R als Kalender-Heatmap geplottet. Den Sourcecode zum selbermachen gibt es hier auf Pastebin.

Heatmap phone usage

Wie dem Plot zu entnehmen ist, bin ich meistens Freitags oder Wochenends schwach geworden und habe doch zum Telefon gegriffen. Das ist aber auch okay, ich habe mir auf beeminder extra einen Puffer von zwei Tagen pro Woche festgelegt. Dann mal im Ernst: Was gibt es schöneres, als beim Ausschlafen auf dem Handy Nachrichten zu lesen?

Credits

Das Titelfoto namens “Waiting for the train” stammt von Per Gosche und ist unter CC BY 2.0 lizensiert. Ich habe die Copyrighterklärung ins Bild eingefügt. Das Original gibt es auf flickr zu bestaunen. Vielen Dank fürs Bereitstellen!